www.watzmannkraxler.de  

Brauchtum

Die Kermes

Unübertrefflich ist die alljährliche Kirchweih in Ebersdorf. Wahrscheinlich einzigartig in ganz Deutschland. Jedes Jahr zwischen dem 6. und 12. August findet  dieses traditionsreiche Fest statt. Dabei ist dieses Brauchtum in der Kirchweihchronik festgeschrieben und nichts darf verändert werden. Somit wird die Ebersdorfer Kirchweih in ihren Grundzügen noch heute so wie  vor 353 Jahren gefeiert. Im Mittelpunkt dieses Festes steht der Anger mit seinen denkmalgeschützen Angerhäuschen, umgeben von riesigen Linden und der Tanzplatz. Die Vorbereitung dieses Festes wir mit größter Sorgfalt betrieben und ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Schon 7 Wochen vor Festbeginn richtet man den Angerplatz her. Die Lehmschicht der Tanzfläche muss erneuert werden: mittels eines Ziegelsteins wird der Tanzboden geglättet und dann mit einer neuen Lehmschicht überzogen. Die sogenannten Lösbuben und Lösmädchen - diejenigen, die das erste mal Kirchweih mitmachen - verrichten hier sämtliche anstehenden Arbeiten, auch über die Kermes hinaus.

Vier Wochen vor der Kirchweih wird angetanzt und geübt. Damit die tagtäglichen Pflichttänze über die Kirchweih beherrscht werden. Dazu zählen ein Walzer, ein Rheinländer und eine Polka.

Die letzte Woche vor der Kirchweih beinhaltet  das Gießertputzen (Blecherne  Gießkannen). Hier werden die Kannen auf Hochglanz geputzt und an diesem Tag herrscht schon das  erste Treiben der  Einheimischen auf dem Anger. Das Angerhäuschen wird geschmückt und mit Eichenlaub eingedeckt. Die Schenke im unteren Bereich und die darüberliegende Musiktribüne werden hergerichtet.

Dann die Kellnerwahl, einer der wichtigsten Termine vor der Kirchweih.  Der  Altbursch,  immer der älteste der Burschengesellschaft (höchstes Amt der Kirchweihgesellschaft) dem alle Vollmachten eingeräumt  werden, schlägt einen großen Kellner vor, der dann von der Burschen und Mädchengesellschaft gewählt wird. Der Große Kellner  wiederum schlägt einen kleinen Kellner vor, der aber schon mindestens 2 Kirchweihen mitgemacht haben  muss.  Die  Kirchweihgesellschaft  bedarf  hier  einer besonderen Sitzordung. Nach dem Alter sitzen die Burschen rechts und die Mädchen links. Die zehn ältesten Burschen sitzen in der Mitte. Niemand weiß zu diesen  Zeitpunkt, wer  mit  wem  tanzt. Dies wird erst am Kirchweihsonntag, pünktlich mit dem Glockengeläute um zwölf Uhr, auf dem Angerhäuschen verkündet, abwechselnd vom Altbursch und dem großen Kellner dann das Hutabholen.

Der Kirchweihbursch holt bei der Tanze (das letztjährige Tanzmädchen) den Hut ab, der ein Jahr bei der Tanze gut aufgehoben wurde. Die  Kirchweih  beginnt  dann  am  Samstag  mit  dem Glockenschlag um 20 Uhr und dann darf getanzt werden. Der Sonntag beginnt mit der Kermesmesse in der Maria Magdalena Kirche. Anschließend wird sich in das goldene Buch eingetragen. Ab diesem Zeitpunkt haben sich die Burschen und  Mädchen zur Kirchweih  verpflichtet. Auf dem Anger  wird das Bier verköstigt und die Gesellschaft läd  zum Frühschoppen.

Jetzt wird es ernst.  Die Mädchen schlüpfen  zum ersten mal in ihre Kirchweihtrachten. Die  Burschen in ihre fertig geschmückten Hüte. Anschließend macht man sich mit Gesang auf den Weg, um sich gegenseitig abzuholen. Dann  geht man in Richtung Rathaus, um dort vom 1. Bürgermeister der Stadt Ludwigsstadt die Chronik in Empfang zu nehmen. Um 13 Uhr beginnt der traditionelle Trachtenaufzug.  Anschließend wird auf dem Anger gefeiert, dabei sind jeden Tag die drei Tänze Pflicht, Walzer, Polka und Rheinländer.

Der  Montag  beginnt  mit  dem  Frühschoppen, um 13 Uhr der farbenprächtige Trachtenaufzug beginnend am Mühlteich, gegen 15 Uhr der  traditionelle  Männeraufzug. Dabei sind die Burschen und Mädchen auf Partnersuche.  Anschließend zieht man mit viel Freibier durch den Ort und wird  an jedem Tag von  Blasmusik begleitet.  Jedes Mädchen  wird  dann  mit  einer  Zuckertüte belohnt und man  tanzt  wiederum  bis hinein in die Nacht.

Am Dienstag Punkt 10 Uhr ist Abrechnung im Beisein des ersten Bürgermeisters und den Burschen.  Die Lösbuben dagegen sind im Ort unterwegs und  treiben ihr Unwesen. Zwischen 15 und 16 Uhr  dann der Auftritt der Kermespöbel, ohne ihnen ist die Kirchweih nicht denkbar. Zu erwähnen  hauptsächlich die Strohpöbel, die jung und alt begeistern. Hier ist Vorsicht geboten,  viele Besucher werden hier nicht trocken bleiben. Am Abend klingt dann  mit jauchzend  wie an allen Tagen die  Kirchweih aus  und man  freut  sich  wieder  auf das  nächste Jahr, wenn der   Anger geschmückt wird, die Laterne über den Tanzanger schwingt, die Kermes  wieder so gefeiert wird wie vor über 350 Jahren.

 

 

Das Binden

Das sogenannte Binden ist vom Ursprung nicht eindeutig nachvollziehbar. Aber Erkundigungen haben ergeben, dass es dieses Binden schon um 1920 gegeben haben muss. Hauptsächlich  zur Konfirmation lebt  dieser Brauch auf und dient als Kirchenschmuck. Das Binden besteht aus einer Girlande, die aus Buchsbaum hergestellt wird, sowie  Röschen aus Papier. Ca.drei Monate vor der Konfirmation beginnen die Vorbereitungen.

Die  wichtigsten  Materialien sind  Seidenpapier evtl. in verschiedenen Farben, ein  rundes Stanzmesser  für das Seidenpapier um runde Kreise auszustanzen, Schere um die runden Kreise zu bearbeiten, Leim  um die daraus entstehenden  Röschen  zu befestigen. Dann kommt  der Draht zum Einsatz, um den Buchsbaum zu binden. So entstehen  wunderschöne  kreative  Röschen  die  dann  auf  der  Girlande  befestigt  werden. Nach  mühevoller Arbeit schmückt dann dieses Kunstwerk  den Altar. die Empore  und den Eingang der Kirche. Wunderschöne geistliche Sprüche zwischen den Meisterwerken  runden den wunderschönen Brauch ab.


Valides XHTML | Valides CSS © 2018 Volker Vetter | Sitemap | Impressum